Die internationalen Kupferpreise befinden sich auf Höchstständen. Der Bau von Infrastruktur für erneuerbare Energien und Rechenzentren für künstliche Intelligenz (KI) wird voraussichtlich große Mengen Kupfer erfordern und somit zu erwarteten Angebotsengpässen führen. Gleichzeitig zeigen sich in China, dem größten Kupferverbraucher, Anzeichen einer Konjunkturabschwächung.
Im Hinblick auf die globalen Wirtschaftsaussichten und die KI-getriebene Kupfernachfrage interviewte Nikkei Brendan Craig, Leiter der Region Amerika bei BHP Billiton, dem weltweit größten australischen Bergbauunternehmen.
Reporter: Wie beurteilen Sie die globalen Wirtschaftsaussichten und die Kupfernachfrage im Jahr 2026?
Craig: Ich gehe davon aus, dass das fundamentale BIP wichtiger Länder wie der USA und Chinas stark ist. Insbesondere Indien dürfte ein starkes Wachstum verzeichnen. Die Kupfernachfrage wird auch 2026 hoch bleiben.
Reporter: Wie ist die Lage in China, dem größten Kupferverbraucher?
Craig: Trotz der schwächelnden Immobilienbranche entwickeln sich die Bereiche Elektromobilität, erneuerbare Energien und Maschinenbau sehr gut. Das Wachstum im verarbeitenden Gewerbe hat die Abschwächung im Immobiliensektor kompensiert, was sich positiv auf die Kupfernachfrage auswirkt.
Reporter: Spekulative Gelder fließen aufgrund der erwarteten Nachfrage aus Rechenzentren in den Kupfermarkt.
Craig: Rechenzentren für KI befinden sich noch in der Anfangsphase und machen nur einen geringen Anteil der gesamten Kupfernachfrage aus. Traditionelle Anwendungen wie Motoren, Transformatoren und Stromleitungen decken 80–90 % ab. Steigende Investitionen in Rechenzentren werden die Nachfrage nach Kupfer für Leitungen und Transformatoren jedoch unweigerlich weiter ankurbeln und in 10–15 Jahren ein signifikantes Ausmaß erreichen.
Reporter: Ist das Kupferangebot ausreichend?
Craig: Die aktuelle weltweite Kupfernachfrage liegt bei rund 25–26 Millionen Tonnen und wird Prognosen zufolge bis 2035 um etwa 10 Millionen Tonnen steigen. Bis 2050 muss das Angebot um 70 % gegenüber heute erhöht werden, was jedoch schwer zu erreichen ist. Investitionen zur Steigerung des Angebots sind branchenweit nicht vorangekommen. Zwischen 2030 und 2035 wird es zu einem strukturellen Kupferangebotsengpass kommen.
Reporter: Der Erzgehalt bestehender Minen sinkt.
Craig: Die Minen werden mit der Zeit mit sinkenden Erzgehalten und der Verfestigung des Erzes konfrontiert sein. Die Auswirkungen lassen sich jedoch durch gezielte Maßnahmen abmildern. Einige Minen haben ihre Produktionseffizienz verbessert und die Kupferproduktion in den letzten drei Jahren um 30 % gesteigert.